Futterdeklaration verstehen: So liest du ein Etikett für Hunde- und Katzenfutter richtig
„Mit saftigem Rind“ oder „Frisches Geflügel“ – die Vorderseite von Futterdosen verspricht oft das Blaue vom Himmel. Doch als Tierheilpraktikerin und Ernährungsberaterin weiß ich: Die Wahrheit steht auf der Rückseite, im Kleingedruckten.
Wer die Futterdeklaration richtig lesen kann, schützt sein Tier vor minderwertigen Füllstoffen, Allergenen und verstecktem Zucker. In diesem Beitrag erkläre ich dir Schritt für Schritt, worauf du wirklich achten musst.
Warum ist die Deklaration so wichtig?
Viele Tierhalter verlassen sich auf die bunten Werbebilder. Doch das Futtermittelrecht erlaubt viele Formulierungen, die den tatsächlichen Inhalt verschleiern. Eine transparente Kennzeichnung ist die Voraussetzung für eine artgerechte Ernährung und die langfristige Gesundheit deines Tieres.
Die 3 Arten der Deklaration: Was steht wirklich drin?
Die Art und Weise, wie Zutaten aufgelistet werden, verrät bereits viel über die Transparenz des Herstellers.
1. Offene Deklaration (Die Goldstandard-Variante)
Hier werden alle Komponenten einzeln und mit Prozentangaben aufgelistet.
Beispiel: 40 % Hühnerfleisch, 20 % Hühnerherzen, 10 % Hühnerleber…
Du weißt exakt, was im Napf landet. Je detaillierter, desto hochwertiger ist das Futter meistens.
2. Halboffene Deklaration
Hier werden Gruppen genannt, aber nur ein Teil wird konkret spezifiziert.
Beispiel: Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (davon 10 % Huhn).
Das Problem: Du erfährst, dass 10 % Huhn enthalten sind. Aber was sind die restlichen 90 %? Es könnten Rind, Schwein oder andere Proteinquellen sein – ein Albtraum für Allergiker.
3. Geschlossene Deklaration
Hier werden lediglich gesetzliche Gruppenbezeichnungen verwendet.
Beispiel: Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse, Getreide.
Diese Form bietet den Herstellern den größten Spielraum, die Rezeptur je nach Rohstoffpreis zu verändern, ohne das Etikett anzupassen.
Der Mythos „Tierische Nebenerzeugnisse“
Hinter diesem Begriff verbirgt sich alles, was bei der Schlachtung für den menschlichen Verzehr nicht primär verwendet wird.
- Gute Nebenerzeugnisse: Innereien wie Herz, Leber oder Niere (wichtig für Vitamine und Nährstoffe).
- Minderwertige Nebenerzeugnisse:
Federn, Krallen, Borsten oder Schnäbel zählen. Sie sind rechtlich zulässig, liefern jedoch kaum verwertbare Nährstoffe und sind schwer verdaulich.
Tipp vom Profi: Eine gute Deklaration schlüsselt genau auf, welche Innereien in welcher Menge enthalten sind.
Die 4-Prozent-Hürde: Was bedeutet „mit Huhn“?
Wusstest du, dass die Bezeichnung „mit Huhn“ laut Futtermittelrecht bereits ab einem Anteil von nur 4 % Huhn zulässig ist? Die restlichen 96 % können aus völlig anderen Quellen stammen.
- Wenn dein Tier auf eine bestimmte Fleischsorte allergisch reagiert, reicht der Blick auf den Namen des Futters also nicht aus!
Vorsicht bei pflanzlichen Nebenerzeugnissen
„Pflanzliche Nebenerzeugnisse“ sind ein unscharfer Sammelbegriff. Er kann sowohl sinnvolle Ballaststoffe als auch minderwertige Füllstoffe aus der Lebensmittelindustrie umfassen. Entscheidend ist, ob der Hersteller die genaue Herkunft benennt. Zu den Abfallprodukten aus der Lebensmittelindustrie gehören z.B.:
- Erdnussschalen
- Stroh oder Zellulose
- Weizenkleie in Massen
Diese Inhaltsstoffe dienen oft nur dazu, den Kot fester zu machen oder das Tier künstlich zu sättigen, ohne echte Nährstoffe zu liefern.
Analytische Bestandteile: Die Chemie des Futters
Zusätzlich zur Zutatenliste findest du die „analytischen Bestandteile“. Diese geben Auskunft über die Nährstoffverteilung (basierend auf der Weender Analyse):
- Rohprotein: Der gesamte Eiweißgehalt. Wichtig: Er sagt nichts über die Qualität aus (Leder hat auch viel Protein, ist aber nicht verdaulich).
- Rohfett: Der Energielieferant.
- Rohasche: Das, was übrig bliebe, wenn man das Futter verbrennt (Mineralstoffe). Ein dauerhaft hoher Rohaschewert (z. B. über 10 % bei Trockenfutter) kann auf einen hohen Anteil an Knochen- oder mineralischen Bestandteilen hindeuten und sollte kritisch hinterfragt werden – insbesondere bei sensiblen oder nierenkranken Tieren.
- Feuchtigkeit: Besonders bei Nassfutter wichtig für die Berechnung der Nährstoffdichte.
Zusatzstoffe, Zucker und Konservierung
Ein hochwertiges Futter kommt ohne unnötigen Schnickschnack aus. Achte auf:
- Zucker/Dextrose/Melasse: Hat in Tierfutter absolut nichts zu suchen (kann Karies begünstigen und bei regelmäßiger Aufnahme das Risiko für Stoffwechselstörungen wie Diabetes erhöhen).
- Künstliche Farbstoffe: Dienen nur der Optik für den Menschen.
- EG-Zusatzstoffe: Hinter diesem Begriff können sowohl natürliche als auch synthetische Konservierungsstoffe stehen. Kritisch zu bewerten sind insbesondere chemische Antioxidantien wie BHA oder BHT.
Dein Check für hochwertiges Futter
Zusammenfassend erkennst du ein gutes Futter an diesen Punkten:
- Transparenz: Vollständig offene Deklaration.
- Fleischanteil: Ein hoher Anteil an Muskelfleisch und hochwertigen Innereien.
- Verständlichkeit: Du verstehst alle Zutaten, ohne ein Chemie-Studium zu brauchen.
- Frei von Müll: Kein Zucker, keine künstlichen Lockstoffe.
Fazit: Dein Tier ist, was es isst
Das Etikett zu lesen mag am Anfang mühsam erscheinen, aber es ist der wichtigste Schritt zu einem langen und gesunden Tierleben. Lass dich nicht von schönen Bildern oder Werbeversprechen täuschen. Nur Transparenz bei den Inhaltsstoffen schafft echtes Vertrauen.
Denk daran: Ein hochwertiges Futter muss nicht zwingend das teuerste sein – es muss vor allem klar deklariert und auf die individuellen Bedürfnisse deines Tieres abgestimmt sein.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zur Futterdeklaration
1. Was ist der Unterschied zwischen offener und geschlossener Deklaration?
Bei einer offenen Deklaration werden alle Zutaten einzeln und meist mit Prozentangaben aufgelistet (z. B. 60 % Rindfleisch, 10 % Karotten). Du weißt exakt, was drin ist. Eine geschlossene Deklaration nutzt Sammelbegriffe wie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“, was dem Hersteller erlaubt, die Zusammensetzung je nach Rohstoffpreis flexibel zu ändern.
2. Sind tierische Nebenerzeugnisse immer schlecht?
Nein, ganz im Gegenteil! Hochwertige Nebenerzeugnisse wie Herz, Leber oder Niere sind essenzielle Nährstofflieferanten für Vitamine und Mineralien. Minderwertig sind hingegen Schlachtabfälle wie Federn, Krallen oder Borsten. Achte darauf, dass der Hersteller genau auflistet, welche Nebenerzeugnisse verwendet wurden.
3. Warum steht auf dem Etikett „mit Huhn“, obwohl kaum Huhn drin ist?
Das liegt an der sogenannten 4-Prozent-Regel im Futtermittelrecht. Ein Hersteller darf ein Futter „mit Huhn“ nennen, sobald mindestens 4 % der genannten Sorte enthalten sind. Die restlichen 96 % können von anderen Tierarten stammen. Für Allergiker ist diese Angabe daher oft nicht ausreichend.
4. Was bedeutet der Begriff „Rohasche“ auf der Futterdose?
Rohasche ist ein rein rechnerischer Wert der analytischen Bestandteile. Er gibt an, was übrig bliebe, wenn man das Futter verbrennen würde – also die enthaltenen Mineralstoffe und Spurenelemente. Ein sehr hoher Wert (über 10 % bei Trockenfutter) kann auf einen zu hohen Anteil an minderwertigen Knochenmehlen hindeuten.
5. Woran erkenne ich versteckten Zucker im Tierfutter?
Zucker wird oft unter verschiedenen Namen getarnt, um gesundheitlich unbedenklich zu wirken. Achte auf Begriffe wie Dextrose, Glukose, Melasse, Rübenschnitzel (entzuckert ist okay), Karamell oder Maltodextrin. In einem artgerechten Futter hat Zucker nichts zu suchen.
Du bist unsicher, ob dein aktuelles Futter wirklich das Beste für deinen Schatz ist?
Als Ernährungsberaterin schaue ich mir das Etikett gerne gemeinsam mit dir an und erstelle eine individuelle Ernährungsanalyse.
Hier geht es zu meiner individuellen Ernährungsberatung:







